Wie man seinen Partner in 7 Tagen in den Wahnsinn treibt.
Heute ist Donnerstag, der 29.09., und nach vier Tagen kann ich mit voller Überzeugung sagen: Das ist der schlimmste Urlaub meines Lebens. Die Pension ist super, das Frühstück top, das Wetter ist auch wie aus dem Katalog – und genau das macht es so herrlich absurd. Es gibt nämlich nur ein einziges Problem: den Menschen, mit dem ich hier bin.
Meine Begleitung ist so mies drauf, dass jede Gewitterwolke aus dem Wetterbericht vor Neid erblassen würde. Ich fühle mich komplett ignoriert. Erst kommt der Hund: „Möchtest du was fressen?“ „Möchtest du Gassi gehen?“ Dann die Mutter per WhatsApp-Dauerfeuer, live zugeschaltet aus dem Schwarzwald. Ich bin irgendwo danach, vermutlich in der Kategorie „sonstige Mitreisende“.
Körperliche Nähe? Romantik? Ach was. Ein Kuss, eine Berührung, eine kleine Liebkosung – alles streng rationiert, offenbar gibt es ein geheimes Kontingent von fünf bis zehn Einheiten Zuneigung pro Tag, und die sind meist schon an Hund und Handy vergeben. Wenn ich mal was Lustiges sagen will, werde ich ungefähr bei der Hälfte unterbrochen und schief angeguckt, als hätte ich gerade vorgeschlagen, den Hund zu veganer Ernährung zu bekehren. Stimmung: maximal deprimierend.
Gestern Morgen gab es dann das große Highlight: zum ersten Mal so etwas wie körperliche Nähe, ich durfte sie tatsächlich anfassen – ein historischer Moment!
Kurz gesagt: Die Unterkunft ist toll, das Wetter spielt mit – und ich bin hier als emotionaler Statist ohne Text, dafür mit Logenplatz im Theaterstück „Hund und Mutter – die wahre große Liebe“.



